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Ämterhäufung von Aufsichtsräten: Drei Fragen an Alexander v. Preen

 

Herr Dr. v. Preen, einige Investoren beklagen, dass einzelne Aufsichtsräte – und insbesondere Aufsichtsrätinnen – Mandate anhäufen und in mehreren Kontrollgremien aktiv sind. Können Sie diesen Trend bestätigen?

Der Trend – insbesondere bei großen internationalen Unternehmen sowie den Dax-Konzernen – ist in der Tat, auf 'bewährte und mit Erfahrung ausgezeichnete' Kompetenzträgerinnen und -träger zurück zu greifen. Bei kleineren AGs sehen wir zur Zeit jedoch – insbesondere durch die Aufhebung der 'Dreiteilbarkeit' bei der Zahl der Aufsichtsratsmitglieder – die Entwicklung, dass  Frauen ohne bisherige Aufsichtsrats-Erfahrung und auch Spezialkompetenzträgern, zum Beispiel mit Digital-Know-how, nunmehr aktiv eine Chance bekommen.

Welche Gefahren birgt die Ämterhäufung?

Die Ämterhäufung in der heutigen Zeit birgt die Gefahr, sich nicht ausreichen mit dem Mandat auseinander setzen zu können. Neben den häufig noch normalen beruflichen Herausforderungen (on the job) muss man heute in den sehr professionellen Aufsichtsräten für eine normale Mitgliedschaft ca. 20 Arbeitstage rechnen.
Im Mittelstand und in kleineren Unternehmen ist der Arbeitsaufwand aber in den allermeisten Fällen deutlich geringer. Zudem muss man bedenken, dass der Arbeitsaufwand eines ordentlichen Aufsichtsratsmitglieds noch einmal erheblich unter dem eines Aufsichtsratsvorsitzenden liegt. Man muss also sehr genau hinsehen, bevor man ein Urteil darüber fällen kann, ob eine Person gegebenenfalls zu viele Mandate ausübt.

Was können die Konzerne tun, um ihren Kritikern kurzfristig zu begegnen und langfristige Lösungen zu finden?

Mittel- und langfristig müssen Unternehmen bei der Besetzung offener Mandate aber einfach mutiger werden und auch mal neue Wege gehen. Auch wenn sich die Zeiten langsam ändern, erfolgt die Auswahl von Kandidaten für den Aufsichtsrat häufig noch über das persönliche Netzwerk der Aufsichtsratsmitglieder.  Konzerne sollten sich aber auch intern intensiv mit der Entwicklung geeigneter Kandidatinnen beschäftigen. Häufig können erste Mandate bei Konzerntöchtern bereit gestellt werden, die eine praktische Qualifizierung ermöglichen. Darüber hinaus gibt es mittlerweile auf diese Fragestellung hin spezialisierte Anbieter die sicher unterstützen können. Auch Kienbaum verfügt mit Board Services und Female Desk über eine umfangreiche Datenbank, in welcher auf unterschiedlich Aufsichtsratsprofile hin, zum Beispiel Financial Expert, Digitalisierungsexperte, HR-Experte, geprüfte sehr qualifizierte Frauen vermittelt werden können.

 

Dr. Alexander v. Preen ist Sprecher der Geschäftsführung der Kienbaum Executive Consultants GmbH und Geschäftsführer der Kienbaum AG Zürich sowie Partner der Kienbaum-Gruppe.

Herr Dr. v. Preen ist seit 16 Jahren für die Kienbaum-Gruppe im In- und Ausland tätig und betreut nationale und internationale Unternehmen insbesondere in den Ländern Deutschland, Schweiz und Österreich in allen Fragen rund um Corporate Governance, Executive Search, Strategieumsetzung, Steuerung und Vergütung. Er ist zentraler Ansprechpartner für alle Fragen rund um strategisches Vergütungsmanagement- und Steuerungssysteme sowie Transformationsmanagement.